Bewertungstechniken für Finanzanalysten
Wir arbeiten seit über zwölf Jahren mit mittelständischen Unternehmen und institutionellen Investoren zusammen. Dabei haben wir gesehen, wie unterschiedlich Bewertungsansätze ausfallen können – je nach Branche, Wachstumsphase und Marktsituation. Unsere Methodik verbindet klassische DCF-Modelle mit marktbasierten Ansätzen und berücksichtigt dabei die Besonderheiten deutscher Mittelstandsstrukturen.
Welcher Bewertungsansatz passt zu Ihrer Situation?
Die Wahl der richtigen Methode hängt von mehreren Faktoren ab. Hier sind typische Szenarien aus unserer Praxis.
Etabliertes Geschäftsmodell
Ihr Unternehmen hat stabile Cashflows über die letzten fünf Jahre und eine klare Marktposition.
Wachstumsphase
Das Unternehmen investiert stark und zeigt noch keine konstanten Gewinne, aber deutliches Umsatzwachstum.
Restrukturierung
Die Geschäftszahlen sind volatil, es laufen Umbauprozesse oder Sanierungsmaßnahmen.
Transaktionsvorbereitung
Sie planen einen Verkauf, Kauf oder eine Fusion und benötigen eine marktkonforme Bewertung.
Praktische Anwendung in der täglichen Arbeit
Letzte Woche haben wir für einen Maschinenbauer aus Baden-Württemberg eine Bewertung durchgeführt. Das Unternehmen hatte stark in Automatisierung investiert, was kurzfristig die Margen belastete. Mit einem angepassten DCF-Modell konnten wir die Effizienzgewinne der nächsten Jahre sichtbar machen.
- Historische Cashflow-Entwicklung über acht Jahre analysiert
- Branchenvergleich mit fünf börsennotierten Wettbewerbern
- Szenarioanalyse mit drei unterschiedlichen Wachstumspfaden
- Sensitivitätsanalyse für Zinssatz und Terminal Value
- Integration von Marktrisikoprämien basierend auf aktuellen Studien
Solche Projekte zeigen, dass Bewertung keine reine Rechenübung ist. Man muss das Geschäftsmodell verstehen, die Branchendynamik einschätzen und realistische Annahmen treffen.
Methodenvergleich im Überblick
Verschiedene Bewertungsansätze haben ihre spezifischen Stärken und Einsatzbereiche. Diese Tabelle gibt Ihnen einen schnellen Überblick über die wichtigsten Charakteristika.
| Bewertungsmethode | Typische Einsatzbereiche | Datenverfügbarkeit | Komplexität | Marktakzeptanz |
|---|---|---|---|---|
| DCF-Verfahren | Etablierte Unternehmen mit stabilen Cashflows | Hoher Detailgrad erforderlich | Mittel bis hoch | Sehr hoch |
| Multiple-Verfahren | Schnellbewertung, Plausibilitätsprüfung | Marktdaten von Vergleichsunternehmen | Niedrig bis mittel | Hoch |
| Ertragswertverfahren | Deutsche Mittelstandsbewertung, steuerliche Zwecke | Mehrjährige Ertragsplanung notwendig | Mittel | Sehr hoch in Deutschland |
| Substanzwertverfahren | Vermögensintensive Branchen, Untergrenze | Bilanzanalyse ausreichend | Niedrig | Begrenzt, oft als Ergänzung |
| Venture Capital Methode | Startups, frühe Wachstumsphasen | Wenig historische Daten erforderlich | Mittel | In der Venture-Szene etabliert |
| Real Options Ansatz | Hohe Unsicherheit, strategische Flexibilität | Szenarioanalysen und Marktdaten | Hoch | Begrenzt, spezialisierte Anwendungen |
Praktische Einblicke aus unterschiedlichen Projekten
Jedes Bewertungsprojekt bringt eigene Herausforderungen mit sich. Hier teilen wir einige konkrete Erfahrungen.
Fallstudie
Technologie-Dienstleister mit Abo-Modell
Ein Softwareunternehmen aus München hatte wiederkehrende Umsätze, aber hohe Kundenakquisitionskosten. Wir haben ein modifiziertes DCF-Modell verwendet, das die Customer Lifetime Value explizit berücksichtigte.
Die Herausforderung war, die Churn-Rate realistisch zu prognostizieren und die Skalierungseffekte bei den Akquisitionskosten abzuschätzen. Am Ende konnten wir eine plausible Bewertungsbandbreite ermitteln, die beiden Verhandlungspartnern als Grundlage diente.
Sensitivitätsanalyse nicht vergessen
Bei jedem DCF-Modell sollten Sie die kritischen Annahmen variieren: WACC, Wachstumsrate, Margen. So sehen Sie schnell, wo Ihre Bewertung empfindlich reagiert.
Terminal Value realistisch ansetzen
Viele Bewertungen stehen und fallen mit dem Terminal Value. Eine ewige Wachstumsrate über dem langfristigen BIP-Wachstum ist meist nicht haltbar – außer bei echten Nischenchampions mit Preissetzungsmacht.
Branchenspezifisch
Familienunternehmen bewerten
Bei inhabergeführten Mittelständlern spielen oft nicht-monetäre Faktoren eine Rolle. Die Bewertung muss berücksichtigen, wie abhängig das Geschäft von einzelnen Personen ist.
Wir nutzen in solchen Fällen oft Abschläge für Schlüsselpersonenrisiken oder modellieren Übergangsszenarien für die nächsten fünf Jahre explizit mit.
Multiple-Trends 2025
Die aktuellen EBITDA-Multiples im deutschen Mittelstand liegen zwischen 6x und 10x, je nach Branche und Profitabilität. Tech-nahe Dienstleister erreichen teils höhere Werte.
Vertiefen Sie Ihr Bewertungswissen
Unsere Lernprogramme bieten Ihnen die Möglichkeit, Bewertungsmethoden systematisch zu erlernen und in realistischen Projektsimulationen anzuwenden. Start der nächsten Programme: Herbst 2026.